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2. Alarm der Höhenrettungsgruppe der Bereitschaft Großer Feldberg in diesem Monat 

 

Dass nicht immer die immense Höhe den Einsatz einer Höhenrettungsgruppe erfordert zeigte der 2.Einsatz für die Bergwacht Großer Feldberg in diesem Monat am heutigen Montagvormittag (20.10.2014), bei dem ein auf einem Baugerüst abgestürzter Dachdecker gerettet werden musste.

Die Einsatzstelle in der Königsteiner Altstadt war zwar nicht in großer Höhe (ca. 6 Meter), aber die Gasse vor dem betreffenden Haus war so eng, dass dort die Drehleiter der Feuerwehr nicht anfahren konnte, um den Patienten herunterzuheben. Außerdem war der Patient nach seinem Sturz im Gerüst hängen geblieben, so dass zunächst nicht klar war, ob die vorhandenen Einsatzmittel für die fachgerechte Rettung ausreichen. Daher wurde die Höhenrettung angefordert, um den Dachdecker zu retten und per Seilrettung zum Boden zu bringen.

Ein zuständige Einsatzleiter der Bergwacht-Höhenrettungsgruppe befand sich zum Zeitpunkt der Alarmierung zufällig in der Nähe von Königstein und fuhr die Einsatzstelle direkt an. Vor Ort waren der Rettungsdienst und der Notarzt auf dem Gerüst bereits mit der medizinischen Versorgung des mittlerweile aus seiner misslichen Lage befreiten Patienten beschäftigt, während die Feuerwehr Königstein ein Standard-Abseilsystem aufbaute.

Ein ebenfalls glücklicher Zufall war es, dass ein Helfer der Feuerwehr Königstein, der ebenfalls vor Ort war, bei der Berufsfeuerwehr Frankfurt in der Höhenrettung arbeitet. So konnten beide Höhenretter Hand in Hand die Rettung des Patienten organisieren und mit Hilfe der anderen Feuerwehrkameraden mit dem bereits vorbereiteten Abseilsystem der Feuerwehr durchführen.

Der Patient wurde also in der Schleifkorbtrage zum Boden abgelassen und dort vom Rettungsdienst weiterversorgt, so dass die gerade eingetroffenen weiteren Bergwacht-Höhenretter nicht mehr aktiv werden mussten. Auch die ebenfalls alarmierte Höhenrettungsgruppe der Berufsfeuerwehr Frankfurt konnte wieder abdrehen.

Der Einsatz hat trotzdem gezeigt, dass die Bergwacht nicht nur im Gebirge zu Hause ist sondern ihre Einsatztechniken auch auf urbane Gebiete übertragen und dabei reibungslos z.B. mit der Feuerwehr zusammenarbeiten kann.

Eine ähnliche Alarmierung hatte es bereits vor einigen Tagen gegeben, als es darum ging, einen abgestürtzten Bauarbeiter bei den neu errichteten Windrädern im Hintertaunus nach einem Sturz zu aus auch nur geringer Höhe zu retten. Auch hier wurde die Höhenrettung alarmiert, kam aber nicht zum Einsatz, da es der Feuerwehr zuvor gelang, den Verungklückten sicher aus seiner Lage zu befreien.

 

Berwacht Einsatz in der Rhön vom 1.-5.10.2014

Zur Einsatzlage: Bei der Rettungsleitstelle meldet sich am Donnerstag, den 2.10. gegen 10:30 Uhr ein bei herbstlichem sonnigen Wetter verunglückter Wanderer. Er wäre an den Koordinaten 32U5645235598848 im Naturpark Rhön auf einem höheren Felsen ausgerutscht uind hätte massive Schmerzen im Brustbereich. Glücklicherweise kann der verunglückte Wanderer mit seinem GPS fähigem Smartphone seine GPS - Daten per Telefon dem Leitstellenmitarbeiter weitergeben. Ebenso ist dieser per Telefon dann auch im weiteren Verlauf des Rettungseinsatzes für das Rettungsteam der Bergwacht erreichbar.

 Der zuständige Bergwacht Einsatzleiter gibt diese ihm nach einer 
 Alarmierung übermittelten Informationen an seine 5 Mann starke
 Einsatzmannschaft weiter, die sich ebenfalls über Funk alarmiert,
 inzwischen an der Bergrettungsstation auf dem Maulkuppe
 eingefunden hat.

 Gemeinsam suchen alle, sowohl per GPS Gerät als auch auf einer
 topographischen Landkarte der Rhön, die genaue Einsatzstelle –
 hier jetzt die „Bubenbader Steine“ und den zugehörigen
 schnellsten Anfahrtsweg.Der zuständige Einsatzleiter teilt nun
 seine Mannschaft in einen Rettungs- und einen Sicherungstrupp,
 bestehend aus jeweils mindestens 2 Mann, auf. Die 5. Einsatzkraft
 wird als Melder mit Spezialaufgaben dem Einsatzleiter zur Seite
 stehen. Jedes Mitglied der Einsatzmannschaft weiß nun genau,
 welches seine Aufgaben im folgenden Einsatz sind und welche
 Materialien und Gerätschaften hierfür benötigt werden. Jeder
 kann sich bereits schon während der Anfahrt mit den
 Einsatzfahrzeugen zum Unglücksort gedanklich mit seiner
 Aufgabenstellung auseinandersetzen.

 

 Foto: Rettung aus dem Kletterfelsen, auch einer
 Ausbildungsinhalte des Bergwacht Lehrgangs Führen im Einsatz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einteilung der Einsatzmannschaft vor Ort             Foto: P.Daniel

 

Der Verunglückte wird zudem nochmals vom Einsatzleiter über die vorhandene Handynummer zurückgerufen und ebenso sie wie die Funkzentrale über die herannahende Hilfe informiert.

Lagefeststellung/ Erkundung: An der Einsatzstelle angekommen gibt der Einsatzleiter an die Einsatzzentrale das Erreichen des Einsatzgebietes weiter und erläutert jedem Mannschaftsmitglied nochmals seine genaue Aufgabe.

Der medizinisch gut ausgebildete  „Retter1“ des Rettungstrupps dringt gemeinsam mit dem Einsatzleiter, einem Sicherer und dem Melder in das unzugängliche Waldgebiet vor, in dem der Verunglückte Wanderer vermutet wird.

Nach kurzer Suche wird dieser knapp unterhalb eines ca. 15 Meter hohen Felsvorsprungs in abschüssiger Lage dank der bekannten GPS Daten liegend, stöhnend und sich vor Schmerzen im Brustbereich windend, aufgefunden.

Während "Retter1" den Verunglückten medizinisch versorgt gibt der Einsatzleiter nun per Funk weitere Anweisungen zur technischen Rettung des Verunglückten sowie während der Suche festgestellte Gefahrenpunkte an die restliche Mannschaf weiter. Diese hat inzwischen eine spezielle Gebirgstrage aus der Dachbox des Einsatzfahrzeugs geholt und für den bevorstehenden Transport vorbereitet. Die Einsatzzentrale wird ebenfalls über das Auffinden des Verletzten informiert.

Entschluss/ Befehlsgebung der Einsatzleitung: Da jedes Mitglied der Bergwacht Einsatzgruppe über den aktuellen Sachstand der Rettung, das Gelände und die durch den Einsatzleiter geplanten Maßnahmen informiert wurde, setzt sich die Sicherungsgruppe in Richtung Verletzten – Fundort mit der Gebirgstrage, diversen Seilen zur Sicherung und vielen weiteren Materialien hierfür ebenfalls zum Auffindeort in Bewegung.

Während eine Gruppe die Spezialtrage unterhalb des Verletzten anbringt, sichern Andere oberhalb des Verletzten alle Retter, Gerätschaften und auch den Verletzten selbst mit Gurten und Seilen gegen ein Abrutschen ab. Der Verunglückte erhält zudem einen Steinschlaghelm, da sich oberhalb von ihm Felsbrocken durch die Aktivitäten der Bergwachtkräfte lösen und ihn verletzen könnten.

 


Die Gebirgstrage der Bergwacht Hessen wird zum Einsatz vorbereitet   Foto: P.Daniel

Nachdem der Einsatzleiter die Örtlichkeit erkundet und sich einen Überblick über einen möglichen Rettungsweg zu den Fahrzeugen gemacht hat, erfolgt eine weitere Lagefeststellung und klare Anweisung an die Einsatzkräfte. Hierbei werden allen Bergrettern nochmals die geplante Rettungstaktik und der vorgesehene Rettungsweg erläutert.

Gemeinsam wird unter schwierigsten authentischen Bedingungen auf sehr glitschigem Felsen und Waldboden der Verunglückte auf die Gebirgstrage verbracht und unter größten Anstrengungen aller Beteiligten, zu jeder Zeit gegen Absturz an Seilen gesichert, zu den Fahrzeugen getragen bzw. auf den Kufen der Spezialtrage quer durch den Wald rutschend gerettet. Die Einsatzkräfte werden hierbei überdurchschnittlich durch das zum Teil lautstarke Jammern des Verletzten gestresst und zur Eile angehalten.

Das beschriebene Szenario wiederholt sich an den folgenden 3 Tagen sowie an einem Übungseinsatz in der Nacht des Bergwacht Einsatzleiter Kurses „Führen im Einsatz“ mehrfach an den verschiedensten Orten rund um die Maulkuppe, dem Ausbildungsstützpunkt der Bergwacht Hessen für die Sommerrettungslehrgänge, bis jeder der Kursteilnehmer jede Position in der Einsatzgruppe mehrfach eingenommen hat und diese ausführen kann.

Zudem werden an den Lehrgangstagen abends Referate zu den Führungsaufgaben gehalten und schließlich müssen alle Teilnehmer eine praktische Einsatzleiterprüfung sowie einen schriftlichen Abschlusstest erfolgreich durchlaufen, um den Kurs erfolgreich zu bestehen.

Laut dem technischen Leiter der Bergwacht Hessen, Gerd Windhausen,  ist dieser Kurs einer der anspruchsvollsten aber auch zugleich schönsten Kurse, die die Bergwacht Hessen jedes Jahr den Bereitschaften zur Teilnahme anbietet.

Seit Einführung des Spezialkurses kann die Bergwacht Hessen inzwischen auf insgesamt 80 gut ausgebildete Einsatzleiter zurückgreifen, um derartige Rettungseinsätze abseits der befahrbaren Wege in Hessen sicher durchzuführen.

Begleitet von immer mindestens 4 erfahrenen Ausbildern des Ausbildungsteams des Landesverbandes, einer spielt dabei immer sehr realistisch den verletzten Wanderer, werden die künftigen Einsatzleiter auf deren Aufgabe zu Hause im heimischen Gelände ausgebildet, um derartige Geländeeinsätze erfolgreich durchführen zu können.

 

6 Teilnehmer absolvierten erfolgreich den Führungslehrgang "Führen im Einsatz" der Bergwacht Hessen: Peter Daniel (Großer Feldberg), Martin Nitz (Neuenstein), Andreas Hoffmann (Wasserkuppe), Andre´Toussaint(Hanau Erlensee), Torsten Schiefler (Rheinland Pfalz: Bergwacht Rotenfels) und Rainer Braungardt (Darmstadt Dieburg) Foto: P.Daniel

 

 

 

Drei der 6 Ausbilder des Bergwacht LV 2014: Philipp Nitz, Frank Köster, Erwin Jantschik

 

Diesmal wurden so wiederum 6 Einsatzleiter erfolgreich geschult. Bedanken möchten wir uns als Teilnehmer vor allem bei den Mitgliedern des Ausbildungsteams, die wiederum ihre Freizeit geopfert haben und sehr viel Engagement zeigten, um den Teilnehmern des Lehrgangs möglichst viel praktisches und theoretisches Wissen für deren Tätigkeit zu Hause in ihren Bereitschaften zu vermitteln.

Autor: Peter Daniel, Bereitschaft Großer Feldberg