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Ein Kirchgang der besonderen Art

Fünfundzwanzig fröhliche "Kirchenbesucher" und ein Hund versammelten sich am Tag der deutschen Einheit auf dem Eisenberg. Zum Abschluss einer Wanderung entlang des Archäologischen Wanderweges entstand dieses Gruppenfoto.

Die Teilnehmer stehen auf dem Platz der durch Mauerreste noch erkennbaren ehemaligen Kirche des im 15. Jahrhundert wüst gefallenen Dorfes Holstein.

Die archäologisch interessierten Wanderer folgten einer Einladung der DRK Bergwachtbereitschaft Neuenstein. Der stv. Naturschutzwart Karl-Werner Brauer informierte angesichts zweier bronzezeitlicher Hügelgräber über den vermuteten Grund, warum die alte Kultur mit Vorliebe ihre Toten entlang von Fernverbindungswegen bestattete.

Eine Erläuterung des Köhlerhandwerks fand an einer noch gut erkennbaren Weilerplatte statt.

Der einstige Erzbergbau hat zahlreiche über den ganzen Eisenberg verstreuten Grubenschächte, sogenannte Pingen, hinterlassen. Vor einem Betreten dieser teilweisen tiefen Erdtrichtern muss auch heute noch gewarnt werden. Die Verhüttung des Bohnerzes, es erinnerte in Größe und Form an Bohnen, geschah in sogenannten Waldschmieden. Der im Geistal noch heute vorkommende Familienname Waldschmidt erinnert daran.

Eine Bewaldung in heutiger Art existierte auf dem Eisenberg im Mittelalter und früher Neuzeit nicht. Vorherrschend waren weitgehend baumlose Huteflächen, die von den umliegenden Dörfern zur Ernährung des Viehbestandes genutzt wurden.

Auf diesen Flächen befanden sich Gruben, aus denen Alaun gewonnen wurde, das die Gerbereibetriebe an der Unter- und Obergeis in Bad Hersfeld zur Behandlung der Felle benötigten. Der Grabstein des letzten Alaunmeisters auf dem Eisenberg ist in der Obergeiser Kirche erhalten.

Auf der Langen Wiese am Fuße der Holsteinkuppe befand sich das Dorf Holstein. Eingestürzte Backöfen, sogenannte Ofenhügel, wie waagrecht zur Hangneigung verlaufende nach rechts und links abgehende Ackerterrassen zeugen von seinem einstigen Bestand. Eine um 1400 einsetzende kleine Eiszeit, Heimsuchungen durch die Pest, vor allem aber der von den aufblühenden Städten erzeugte Sogwirkung
- Stadtluft macht frei - dürften ihm den Garaus gemacht haben.

Eine Sühnekreuz am Weg hielt Vorübergehende  dazu an für die Seele eines dort Ermordeten zu beten.

Die Kirchenruine des Dorfes Holstein weist eine Besonderheit auf, die im Museum zu Bad Hersfeld betrachtet werden kann. Es handelt sich um den Türsturz über der ehemaligen Eingangstür der  Kirche. Auf ihm ist ein handwerklich schlicht gestaltetes Scheibenkreuz zu sehen. Wo auch immer  uns auf dem Kontinent alte Scheibenkreuzdarstellungen begegnen, haben wir es mit frühen christlichen Einflüssen von der irischen Insel zu tun.

Die Teilnehmer der Wanderung wurden an diesem Kirchenplatz verabschiedet, mit der Einladung darüber nachzudenken, was es bedeuten kann, dass 100 Jahre vor Bonifatius unsere Heimat offensichtlich schon mit der besonderen irisch - christlichen Spiritualität in Berührung gekommen ist.

Mit einem fröhlichen Auf Wiedersehen zogen die Wanderer von dannen, nachdem sie für die Arbeit der Bergwacht eine Spende in die Mütze von Bereitschaftsleiter Heinrich Nitz eingelegt hatten, für die er sich herzlich bedankte.

Stellvertr. Naturschutzwart
Bergwacht Neuenstein
Karl-Werner Brauer

Vierbeinige Rasenmäher und Sensenmänner im Dienste des Naturschutzes

In den letzten 3 Wochen haben 20 Schafe des Landwirts Stefan Rehn den Enzian- und Orchideenstandort auf dem Kalkmagerrasen bei Raboldshausen abgeweidet. Diese mit dem Fachdienst Ländlicher Raum, Landkreis Hersfeld-Rotenburg, abgesprochene Maßnahme dient der Bergwacht Bereitschaft Neuenstein und dem NABU Hersfeld der Erhaltung des Standortes der einzigartigen Naturschönheiten. Die Schafe wurden satt und die Ehrenamtlichen von Bergwacht, Alpenverein und NABU mussten nicht mehr die ganze Fläche mähen und nur noch die stehengebliebenen Stockausschläge mit der Hand- und Motorsense entfernen.

Bild: überwiegend Schwarzkopfschafe auf der Wachholderfläche bei Raboldshausen

Durch die Beweidung und das anschließende Mähen wird eine Verbuschung vermieden, die sowohl die Enziane wie die Orchideen unterdrücken und schließlich endgültig vertreiben würde.

Bild: Der Helfer Albert Nitz kann noch perfekt mit der Handsense mähen.

 Bild: Dieter Hoßfeld  (2. Vors. TSV Obergeis) bei seinem 1.Naturschutzeinsatz " Er kann nicht nur Fussball"

Bild: Stärkung der Einsatzkräfte und Abkühlung der heißen Motorsensen. v.l. Alfred Orbach (DAV Hersfeld) und Albert Nitz

Karl-Werner Brauer
stv. Naturschutzwart
Bergwachtbereitschaft Neuenstein