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Hinweise zum Euro-Notruf 112

Man hört und liest häufig, der Notruf werde "immer über das stärkste verfügbare Netz" gesendet, und dass man bei schwacher Signalstärke das Handy aus- und wieder einschalten und dann statt der PIN die 112 eingeben soll, damit das Gerät das stärkste verfügbare Netz sucht. Dem muss aus heutiger Sicht widersprochen werden:

1.) Der Notruf 112 wird immer zunächst über das Netz des eigenen Anbieters abgewickelt, es sei denn die Signalstärke ist zu schwach für eine Sprachverbindung. Dann wird er über ein anderes verfügbares Netz umgeleitet, dessen Signalstärke ausreichend ist.

2.) In Deutschland kann ein Notruf seit dem 01.07.2009 nur noch mit eingelegter gültiger und aktivierter/entsperrter SIM-Karte abgesetzt werden (auch wenn unter dem PIN-Eingabefeld ein Notruf- oder SOS-Button vorhanden ist - das Gespräch kann nicht aufgebaut werden.

3.) Die Bildschirmsperre ist dabei kein Hindernis: Über den Notruf- oder SOS-Button unter dem PIN- oder Muster-Eingabefeld der Bildschirmsperre funktioniert der Notruf auch ohne den Bildschirm zu entsperren (vorausgesetzt die SIM-Karte ist entsperrt). Die Telefonfunktion der SIM-Karte wird dann unter Umgehung der Bildschirmsperre aktiviert, die anderen Funktionen bleiben aber gesperrt. Bei älteren Handys ohne diese Notruf-Funktion muss zwingend der Bildschirm entsperrt werden, um einen Notruf absetzen zu können.

Die "Suche nach dem stärksten Netz"

Eine Suche nach dem stärksten Netz ist nicht nötig und auch nicht direkt möglich. Folgende Auskunft der Bundesnetzagentur vom 03.08.2017 erhielten wir zu der Frage, wie man das Mobiltelefon dazu bringen kann, das stärkste verfügbare Netz zu suchen und darüber den Notruf abzusetzen:

"Mobilfunknetze sind so konfiguriert, dass ein Einbuchen in das Mobilfunknetz des eigenen Anbieters nur möglich ist, wenn eine gewisse Signalstärke erreicht wird. Hierdurch soll gewährleistet werden, dass eine ausreichende Qualität für die Sprachverbindung zur Verfügung steht. Somit ist dann das Einbuchen und Absetzen eines Notrufes (112) über das eigene Mobilfunknetz möglich. [...] Wird diese entsprechende Signalstärke jedoch nicht erreicht, findet kein Einbuchvorgang ins eigene Mobilfunknetz statt. In diesem Fall ist es jedoch möglich einen Notruf (112) über ein anderes Mobilfunknetz abzusetzen. Voraussetzung hierfür ist, dass eine ausreichende Versorgung durch ein anderes Mobilfunknetz gegeben ist."

Schlussfolgerung: Wenn das einmal begonnene Notruf-Gespräch abgehackt verläuft oder abbricht und nicht wieder aufgenommen werden kann, kannst du über den Flug-/Offline-Modus versuchen, eine erneute Netzsuche des Mobiltelefons zu veranlassen: "Wenn das Mobilfunkgerät im Offline-Modus betrieben wird, wird dieser deaktiviert sobald der Teilnehmer einen Notruf absetzt. Die oben beschriebenen Prozeduren treffen dann wieder zu. Ein Neustart des Endgerätes ist hierbei nicht nötig." Es ist dann aber die Frage, ob das Telefon diese Netzsuche nicht bei erneuter Anwahl des Notrufs eigenständig ebenso erfolgreich durchführt. Aber es ist vielleicht einen Versuch wert...

Erreichbar bleiben!

Wir empfehlen dringend, nach dem Notruf das Telefon eingeschaltet zu lassen. Bei Bergnotfällen ruft dich die Bergwacht gerade dann häufig zurück, wenn der Notfallort nicht eindeutig bestimmt werden kann, damit die ortskundigen Bergretter Informationen zum Notfallort aus erster Hand erhalten. Im schlimmsten Fall führt das Ausschalten des Handys also dazu, dass du erst wesentlich später gefunden und gerettet werden kannst...

Bei Alpin-Touren ist es allerdings sinnvoll, das Mobiltelefon regulär ausgeschaltet zu lassen und nur im Notfall einzuschalten. Das vermeidet die energieintensive ständige Netzsuche und schont so den Akku. Dann solltest du aber nach dem Absetzen des Notrufes das Telefon eingeschaltet lassen! Tipp: Klebe die PIN auf der Rückseite des Handys mit Klebefilm geschützt auf, damit z.B. Gruppenmitglieder oder Ersthelfer im Notfall dein Telefon weiter benutzen können.

Wissenswertes

Der Notruf 112...

  • ist kostenfrei und funktioniert auch mit einer Prepaid-Karte ohne Guthaben. Diese darf allerdings nicht durch den Netzbetreiber gesperrt oder deaktiviert sein (Mindestguthaben oder -umsatz beachten!).
  • ist europaweit gültig: er wird an die nächste Notfallzentrale weitergeleitet (Rettungsleitstelle oder Polizeileitstelle)
  • wird mit Priorität im Netz verarbeitet: notfalls werden bestehende Gespräche abgebrochen, um freie Kapazitäten für den Notruf zu schaffen.
  • wird immer mit den Standortdaten (Adresse des Festanschlusses / Funkzelle des Mobilfunknetzes) und der Telefonnummer des anrufenden Anschlusses übermittelt - auch wenn die Rufnummernübermittlung unterdrückt ist. Ausnahme: bei manchen Roaming-Verbindungen insbesondere aus dem Ausland können die Daten nicht übermittelt werden.